Interview mit Jürg Bühler zum Thema  Selbstvertrauen im Tennis

1. Was verstehen Sie unter dem Begriff Selbstvertrauen?

Selbstvertrauen (SV) heisst, sich realistische Ziele setzen und an seine Fähigkeiten glauben, diese Ziele erreichen und konsequent darauf hinarbeiten zu können. Die geläufigste Theorie der Psychologie, die das SV beschreibt, ist die Selbstwirksamkeitstheorie (Self-efficacy) von Bandura.

2. Welche Rolle spielt das Selbstvertrauen im Tennis?

Im Tennis spielt das SV eine übergeordnete Rolle. Ich unterteile die Mentale Stärke im Tennis in die 2 Hauptbereiche SV und Selbstkontrolle, wobei das SV die Selbstkontrolle  beeinflusst und mitbestimmt. Das heisst, ich kann meine Emotionen und Gedanken während dem Match besser kontrollieren, wenn ich ein hohes SV habe. Das SV ist immer wichtig und ich kann vor, während oder nach dem Match daran arbeiten. Die Selbstkontrolle kann ich vor allem während dem Match üben.

3. Was fördert/ hemmt das Selbstvertrauen in einem Tennismatch?

Nach Bandura gibt es 4 Quellen zur Förderung des Selbstvertrauen:

1. Erfolgserlebnisse
2. Lernen am Modell
3. Soziale Unterstützung
4. Stressvermeidung

1. Ich kann also mein SV im Tennismatch fördern, indem ich Erfolgserlebnisse. Also muss ich immer wieder hohe aber realistische Ziele setzen für die Saison, den Match, den Satz und für die einzelnen Punkte. Wobei ein Ziel nicht nur Gewinnen heisst, sondern auch das Wie gewinnen? enthält. Sobald ich ein Ziel erreicht oder nicht erreicht habe, muss ich nach veränderbaren Gründen dafür suchen und mir ein neues Ziel stecken. Dies ist übrigens auch einer der wichtigsten Prozesse, wenn ich mit Sportlern zusammen arbeite.

2. Ich kann mir meine Idol/ Vorbild gedanklich vorstellen im Tennismatch oder vorher im Video anschauen.

3. Das Lob und die Anerkennung der anderen Leute fördert mein SV . Also muss ich mich mit Personen umgeben, die mich schätzen.

4. Ich muss möglichst Zeitdruck vermeiden, damit ich freie Gedanken habe und im Match nicht an andere Sachen (wie Matura - Arbeit) denke. Grundsätzlich kannst du als Tennisspieler im Match deine Gedanken und Bilder im Kopf (visualisieren) sowie die Körpersprache und Atmung kontrollieren. Dies alles wenn möglich wie in den 4 Punkten genannt, so dass es das SV fördert.

4. Wie viel Selbstvertrauen braucht ein Spieler / eine Spielerin um an die Weltspitze zu gelangen?

Er / Sie braucht sicherlich sehr viel SV. Dies ist trainierbar. Wenn die Spieler es bis zur Pubertät noch nicht haben, wird es schwierig den Durchbruch zu schaffen.

5. Was verstehen Sie unter Mentalem Training?

Unter dem in der Alltagssprache geläufigen Begriff Mentales Training meint die Sportpsychologie dîe Technik des Visualisierens (siehe auch Roland Seiler: Psychotraining im Sport). Das heisst je nach Absicht (Technik verbessern, SV erhöhen, Taktik vorbereiten...) wird vor oder während dem Match möglichst instensiv ein Bild innerlich vorgestellt und je nachdem mit Selbstgesprächen und einer bestimmten Atmung unterstützt.

6. Betreiben Sie dieses Training bewusst mit den Spieler / innen? Konkrete Methoden?

Sicher betreibe ich dieses Training bewusst mit Spielern und Spielerinnen. Das Mentale Training oder eben das Visualisieren ist jedoch nur ein Bestandteil des ganzen Trainingsprogramms.  Auch Selbsteinschätzung, Zielsetzung, Zielanalyse, Selbstkontrolle, soziale Kompetenz usw.  muss immer wieder geübt werden. Die Methoden sind immer auf das Individuum ausgerichtet.

7. Welche Möglichkeiten gibt es das Selbstvertrauen zu stärken?

Siehe Frage 3 (4 Quellen zur Förderung und 4 Grundtechniken Gedanken, Visualisierung, Atmung, Körpersprache)

Jürg Bühler

http://www.juergbuehler.ch